Mittwoch, 1. Juli 2020

Neun3ßsch

Ich habe gerade mit Erstaunen festgestellt, dass mein letzter Post von vor zwei Wochen ist. Also, dass ich faul bin, wusste ich. Aber, dass es so schlimm ist... 


Fleischlos


Was soll ich denn machen? Wenn mich die Arbeit nicht vom Schreiben abhält, dann ist es das Wetter, was mich in den Garten oder an den Grill treibt. Ehrlich gesagt, meistens beides zugleich, mit der Ausnahme, wenn wir bei Freunden auswärts zum Grillen waren. Auch wenn immer Gemüse dabei ist, geht es beim Grillen doch stets um das Fleisch. Wir haben in den letzten Tagen so oft gegrillt, dass meine Tochter eine vegetarische Woche festgelegt und meine Frau diese Entscheidung mit einem Nicken abgesegnet hat. Meiner Tochter allein hätte ich Paroli geboten, aber beiden zusammen.... Ich bin doch nicht bescheuert! 


Fleischmilliardär


Dummerweise gilt Fisch in der Regelung auch als Fleisch und ist mir damit ebenfalls verboten. Und es ist erst Mittwoch! 
Andererseits, wenn ich damit dem Fleisch-Giganten Tönnies schaden könnte, würde ich sogar verlängern. Da muss erst ein Virus kommen, um die Zustände in so einem Schlachthof offenzulegen. Könnte man meinen! Und da beginnt in meinen Augen die Heuchelei. 
Als der Skandal bei Tönnies begann, stand er noch selbst vor den Kameras, um zu verkünden, dass er das Problem in seiner Firma lösen werde. Okay, das ist gerecht, er hatte es ja auch geschaffen. Schon da dachte ich mir aber, wenn bei diesem Unternehmer als Zusatz "Milliardär" steht, muss das Geld ja irgendwo hergekommen sein. Und wenn es nicht geerbt ist oder Lottoglück im Spiel war, muss man annehmen, es kommt von seinem unternehmerischen Tun. 


Kampffleisch


Jetzt ist der Tönnies aber in einer Branche, in der Kampfpreise an der Tagesordnung sind, unter anderem, weil wir Kunden uns im Discounter daran gewöhnt haben, dass ein Kilo feinstes Rind für mehr als 5 Euro VIEEEL zu teuer ist. 
Da nehme ich doch die XXL-Packung Schweinesteaks - 5 Kilo für 1,99! Ich bin ja nicht blöd. 
Wenn wir also bei den Verkaufspreisen solche Schnäppchen haben, frage ich mich, wo die Tönnies-Milliarden denn entstanden sein könnten? Vielleicht in der Produktion? Im Schlachthof? Bei der Tierhaltung? Bei den Personalkosten? 
Plötzlich stellt sich heraus, dass die Arbeiter aus den osteuropäischen Gebieten, die wir früher gern bereisten, in größeren Gruppen und dafür in kleineren Wohnungen hausen. Das ist natürlich keiner Sau aufgefallen, weil die von vor dem Sonnenaufgang bis weit nach Sonnenuntergang in der Fabrik waren. Die waren auch nie Einkaufen oder auf der Strasse. Die deutschen Kollegen sind regelrecht überrascht wurden, von der Tatsache, dass da noch andere Kollegen arbeiteten. Wahrscheinlich auch noch in einem Bereich der Firma, der deutschen Mitarbeitern, Zulieferern, Kontrolleuren oder sonstwem, verboten war. Den kannten die gar nicht! 


Skandal!


Nur so kann ich mir diesen erschrockenen Umgang mit dem Corona-Ausbruch bei Tönnies erklären. Jetzt kommen täglich neue schreckliche Details ans Tageslicht und ich befürchte, es wird sich bald herumsprechen, dass man dort Tiere getötet haben soll. Ganz ohne erklärende Gespräche mit dem Tier, da es bei Tönnies keinen Tierbeauftragten gibt. Warum auch? Es gibt ja auch keinen Menschenbeauftragten! Wahrscheinlich wird nun die Nation den Tönnies verdammen und das Fleisch bei der Konkurrenz kaufen. Und wenn er sein Zeug versucht unterzumischen, steht dann auf den Verpackungen der Warnhinweis drauf:
"Kann Spuren von Tönnies-Fleisch enthalten". 
Bis sich herausstellt, dass die Konkurrenz... Upps, ich will nicht zu viel verraten... Mahlzeit!   

Donnerstag, 18. Juni 2020

Achtn3ßsch

Was für eine Woche! Am Dienstag ging die Corona-Warn-App an den Start und ist bis jetzt noch nicht gehackt worden oder abgestürzt oder überlastet oder aus Versehen mit Amazon gekoppelt, weshalb tausende Deutsche Fehlbestellungen bekamen, die sie nun bezahlen müssen oder oder.


Ein Wunder


Die funktioniert auf Android und iOS und ist datenschutztechnisch kein völliges Desaster. Das Installieren auf dem Handy ist total einfach und obwohl man Bluetooth ständig angeschalten haben muss, hält der Akku länger als eine Stunde. In Europa soll es kein ähnlich professionelles Produkt geben, jedenfalls keins was funktioniert.
Was klingt, wie ein ganz normaler in China produzierter Gegenstand, an dem in Europa getüftelt wird und der trotzdem nicht funktioniert, ist eine App die von einer staatlichen Behörde, am Ende noch von Beamten, an den Start gebracht wurde. Nicht nur das: Sie war eher fertig, als die Pandemie vorbei!


Ich glaube alles 


Nachdem das gelang, bin ich gern bereit, mir alte Uri Geller-Tricks anzuschauen und zu glauben, dass das kein Beschiss war. 
Genauso wenig, wie in den Sprintfinals der Leichtathleten jemand mitläuft, der gedopt hat. Selbst wenn die einen Doping-Test verpassen, bzw. bei keinem anzutreffen sind, dann ist das ein Versehen. Dem aktuellen Weltmeister Christian Coleman ist das passiert und mal ehrlich, ihn zu sperren, weil er shoppen war und nicht angab, wo, das ist kleinlich! 
Manche Frauen wissen vorher nie wohin und haben danach total vergessen, in welchen Geschäften sie am Ende waren. 
Und Lance Armstrong hat jahrelang beim Strullen das Röhrchen verfehlt, weshalb es keine Proben von ihm gab. 


Mensch, Zimmi


Es scheint also alles möglich! Ich glaube wieder an Wunder. 
Okay, ein paar Wunder scheinen ausgeschlossen, z.B. dass Dynamo diese Saison nicht absteigt. Heute gab es ein 0:2 in Kiel und damit war es das, jedenfalls nach menschlichem Ermessen, in Liga 2. 
Wenigstens diese Schmach muss Zimmi nicht miterleben oder am Ende noch kommentieren. Er starb am Dienstag nach schwerer Krankheit. Ich habe ihn als einen positiv Verrückten kennengelernt und wenn die Beschreibung "Hans-Dampf-in-allen-Gassen" stimmt, dann bei ihm. Auch wenn ich es ihm wünsche, aber Ruhe in Frieden...? Nicht Zimmi! Er wird den Anderen da oben ungefragt eine Menge Geschichten zu erzählen haben, gerade und auch über Dynamo! 


BH und Kaffeefilter


Ausgeschlossen scheint auch, dass ein Großteil der Sachsen irgendwann irgendwas glaubt, was von Oben kommt. Wo immer deren Oben sein möge. Mehr als die Hälfte der Sachsen lehnt die Corona-Warn-App ab, habe ich gelesen. Der Gag ist: Schon bevor diese App auf dem Markt war. Die wussten es wieder schon besser, bevor es schlechter war.
Präventive Verweigerung in dem Land, in dem der BH und der Kaffeefilter erfunden wurden. Heute würden die das Zeug wahrscheinlich auch ablehnen, wenn die auf den Markt kämen. 
Ein BH? Quasi als Bevormundung der Frau, die ihre Brüste gefälligst tragen soll, wie sie sind. Jedenfalls finden das 80% der Männer. Natürlich aus Datenschutzgründen!
Und aus dem Kaffee das Beste rausfiltern... Vielleicht noch das Aroma in den Westen schicken...? Hä, die spinnen doch! Nicht mit uns!


Apple-Birnen


Zugegeben, die Corona-Warn-App macht auch nach einer Einnahme nicht immun gegen Covid-19. 
Auch ein rektaler Versuch nützt nichts. Einnehmen geht generell nicht. Man muss die sich runterladen! Nicht sich runterholen.
Schlimmer noch, da es eine Warn-App ist, warnt sie nur. 
Ein logisches Argument gegen diese App ist allerdings: 
Bei den andern Ländern funktioniert die gar ni. Man könnte jetzt argumentieren, dass diese App nur hier Sinn macht, wo ich bin und mich nicht zwingend warnen muss, wenn in Kasachstan der Ex-Präsident erkältet ist. Übrigens ist der Risikogruppe, was auch ein Stichwort ist. Die App ist nämlich sowieso sinnlos, weil gerade die Alten, die Risikogruppe, mit dem Handy nichts anfangen können oder keins haben. Genau aus dem Grund fahren wir Deutschen fast keine Autos, denn die Alten haben auch oft keins. 
Übrigens wird diese App nicht mittels eines Chips in den Kopf transplantiert, was Bill Gates natürlich vor hatte, aber am Widerstand der Apple-Birnen gescheitert ist oder so. 
Ach, der Gates hat gar nicht mitgemacht...? Hätte ich fast was Falsches erfunden. 
Dafür kann ich mit Gewissheit sagen, dass dieses Ding nicht gegen 5G-Strahlen hilft, weil es das auch nicht soll. Und gegen die Belastung des nun überall eingeschalteten Bluetooth hilft beim Spazierengehen nach wie vor nur der Aluhut und das Hochhalten des Grundgesetzes, beim sich ständig wiederholenden Ausruf "Wir sind das Volk". Und ich bin der Volker!





Freitag, 5. Juni 2020

Siem3ßsch

Heute ist Freitag, ich habe frei und war dennoch auf dem Theaterplatz zu einer Demo. Natürlich ging das nur, weil es nicht Freitag nach Eins sondern schon elf Uhr begann. Sonst hätte ich selbstredend nicht gekonnt, um mal ein Klischee vom Öffentlichen Dienst zu bedienen. 


Ohne uns ist Stille 


Unter dem Motto "Ohne uns ist Stille" versammelten sich die Gewerke, die es für eine Veranstaltung braucht, also vom Veranstalter bis zum Ticketverkäufer, Caterer, Techniker bis zur Werbefirma, um darauf hinzuweisen, dass sie für das Stattfinden des kulturellen Lebens dieser Stadt mit verantwortlich sind. Sonst herrscht Stille! Das sind nur Beispiele und zeigt das Dilemma, denn es betrifft so unglaublich viele Menschen, die gerade nichts machen können, dass man sich fragt, warum so wenige da waren. Man könnte aber auch sagen, die avisierten 1000 Menschen waren gekommen und das war schon wieder cool. 


Familientreffen


Zumal es eine der wenigen Gelegenheiten war, die KollegInnen mal zu treffen.Sonst haben die immer dicke zu tun und selten da, wo die Anderen sind, was in der Natur der Sache begründet ist. Dabei fiel mir unangenehm auf, dass dieser Hilferuf der FREIEN Kulturarbeiter bei den ANGESTELLTEN Kulturarbeitern nicht ankam, gehört oder durchgestellt wurde. Wenn man sich überlegt, dass diese Demo vor der Semperoper stattfand, die regelrecht schweigend darüber wachte! Vielleicht war das auch nur eine Umsetzung des Mottos und man übernahm den Part der Stille? 


Solidarität


Wäre es nicht ein Gebot der Solidarität der Einen gegenüber den Anderen gewesen, wenn sich die subventionierten Theater symbolisch  beteiligt hätten? Vielleicht brauchen die auch mal Hilfe. Zumal da Viele standen, die oft in den großen Häusern als Gastfirmen fungieren, mit denen man oft zusammen arbeitet, die quasi gute Bekannte sind. Ehrlich? Es jammert den Hund! 


Hilferuf


Ich muss bei allem traurigen Anlass aber auch zugeben, mich über die vielen Leute gefreut zu haben, die ich ewig nicht gesehen habe, weshalb ich ganz schön am Quatschen war. Dabei stellte ich ganz schnell fest, dass diese Demonstranten keine homogene Masse sind oder einen gemeinsamen Gegner haben. Sie haben eigentlich gar keinen Gegner. Nein, sie haben ein gemeinsames Problem - ihre bedrohte Existenz! Und da alle voneinander abhängig sind, gibt es auch keine einfache Lösung für alle, sondern nur Ansätze, die dann umgesetzt werden müssen oder können. Hilft man Einem, profitiert ein Anderer mit. Da geht es nicht nur um Geldforderungen, sondern manchmal auch nur um logistische, bürokratische oder vernünftige Regelungen.


Gleichnis


Auf dem Theaterplatz stand für die Demo übrigens neben mobilen Videowänden auch eine relativ große Bühne. Als ich mich mit einem Kollegen unterhielt, der die mit aufgebaut hatte, meinte der, als es ans Aufräumen ging: Eigentlich könnten wir die auch stehen lassen. Soll die Stadt versuchen, die abzubauen, wenn sie stört.
Das wirkte auf mich, wie ein Gleichnis. 
Die Veranstalter dürfen nämlich wieder veranstalten, nur leider zu Bedingungen, die sie zwingen würden, ruinös zu wirtschaften. Also brauchen sie wirtschaftlich gesehen, gar nicht anzufangen, bzw. dürfen auch gar nicht. 
Mit der Bühne ist es genauso: Man lässt sie stehen und sagt der Stadt, ihr könnt sie natürlich abbauen, wenn sie euch stört. Dann würde man in der Stadtverwaltung ganz schnell feststellen, dass die gar nicht wissen, wie  man sowas unfallfrei abbaut und müssten es als Konsequenz stehen lassen oder es irgendwie versuchen und dabei das Leben ihrer Kollegen riskieren. 
Die Bühnenbauer könnten aber immer daruf verweisen, dass man der Stadt den Abbau gestattet hat.