Mittwoch, 3. Juni 2020

Sechsn3ßsch

Pfingsten ist vorüber und man kann sagen, da wurde die Bevölkerung eines Landes förmlich von der Leine gelassen. Es war ein hervorragendes Wetter, fast sommerlich und dank der Lockerungen konnten die Gastronomen in Sachsen wieder Umsatz machen. Und wir konnten mal wieder ein gutes Gefühl haben, beim zu viel Essen und Trinken. Gerade beim Wandern war man ja vorher mehrere Hundert Meter unterwegs, was ich persönlich immer gern aufrunde. Auf die Art habe ich schon über Tausend Kilometer erwandert. Diesmal konnte man zudem bei jeder Kalorie und jedem Kaltgetränk darauf verweisen, dass es ausschliesslich zum Wohl unserer Gastronomen ist.


„Schnämnocheens!“



Wir waren, wie die restlichen 80 Millionen Deutschen, am Pfingstmontag in der Sächsischen Schweiz und hatten mit all der nötigen Erfahrung des Einheimischen einen Tisch zu Mittag in einer der Bauden auf einem der Gipfel vorbestellt. Die Gefahr, allein zu sein, bestand nie. Aber was dann wirklich da oben los war, hatte mit Pandemie und Abstandsregeln nicht so viel zu tun. Eigentlich gar nichts.


Da wären selbst die Schweden neidisch gewesen



Das waren allgemein höchstens Anderthalb-Laschet-Meter! Also wie sie der Armin Laschet in NRW gern hätte. Fast schon ein Thüringer-Ramelow-Experiment. Kurzzeitig dachte ich sogar, da wären die Schweden mit ihrer Vorstellung von Abstand neidisch gewesen und hätten uns für die Lockerheit nach der Lockerung bestaunt. Da passte oft kein Aluhut zwischen zwei Leute. Andererseits muss man die Erbauer des Nationalparks fragen, warum sie so klein gebaut haben?


Alle wollen ins Grüne und zwar bis ran



Die hätten sich doch denken können, dass der Deutsche immer in Gruppen kommt und bei Wandern an sein Auto denkt, mit der Frage, wie weit man ran fahren kann. Wenn der Parkplatz dann voll ist, stellt sich die Frage, wie weit man rein fahren kann. Manche stellen das Auto so weit in den Wald rein, dass sie auch gleich hätten zu Fuß kommen können. Da war dann der Weg vom Auto zum Start der Wanderung die eigentliche Wanderung. Andererseits ahnt ja keiner, dass die alle bei Pfingsten, bei dem Wetter, nach zwei Monaten Pandemie-Regeln und endlich offener Gastronomie, gleich in die Wälder losrammeln. Haben die keinen Garten?


Stiegenmass



Jedenfalls bekommt so ein Tag unter dem Aspekt der Hygiene- und Abstandsregeln leicht skurrile Züge. Gerade wenn man sich auf einer Stiege zum Gipfel mit den anderen gefühlt Tausend Menschen entlangschlängelt und dabei oft wieder anderen Tausend Anderen Platz machen muss, die entgegenkommen, wobei man meist nicht ausweichen kann, wegen der schmalen Stiege. Dooferweise haben manche kein Stiegenmass, zumindest keines, bei dem ein zweiter Mensch auf der Stiege vorgesehen ist. Da kommt es dann kurzzeitig zum Aufheben jeglicher Abstände. Kuscheln trifft es vielleicht eher. Quasi nur noch ein halber Laschet-Meter. Da war ja am Hillary-Step am Mount Everest weniger los. Aber die gehen wenigstens mit Maske! Okay, Sauerstoffmaske. Bei manchen Extremkletterern, die ich vorgestern traf, hätte das auch eine Lösung sein können. Vielleicht sogar müssen...


Laschet-Kumpel war da



Trotzdem habe ich lange darüber gegrübelt, warum der Nationalpark so überlaufen war und dann las ich des Rätsels Lösung gestern in der Zeitung. Also fast... Das war nämlich nur so voll, weil unser Ministerpräsident gemeinsam mit dem Gesundheitsminister Jens Spahn in der Sächsischen Schweiz wandern war. Okay, das sind nicht so viele, aber die vielen Kletterer an den Felsen waren einfach den ihre Personenschützer, die für optimale Schussfelder gute Sicht brauchten. Und die vielen Wanderer, na als Ossi weiß man doch, was das für Typen waren... Das muss man sich mal vorstellen, nur weil die Politiker, die uns diesen Mist eingebrockt haben, wandern wollen, waren alle Gipfel besetzt, die Bauden voll und die Wege überlaufen. Davon liest man wieder nichts. Typisch!

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