Freitag, 5. Juni 2020

Siem3ßsch

Heute ist Freitag, ich habe frei und war dennoch auf dem Theaterplatz zu einer Demo. Natürlich ging das nur, weil es nicht Freitag nach Eins sondern schon elf Uhr begann. Sonst hätte ich selbstredend nicht gekonnt, um mal ein Klischee vom Öffentlichen Dienst zu bedienen. 


Ohne uns ist Stille 


Unter dem Motto "Ohne uns ist Stille" versammelten sich die Gewerke, die es für eine Veranstaltung braucht, also vom Veranstalter bis zum Ticketverkäufer, Caterer, Techniker bis zur Werbefirma, um darauf hinzuweisen, dass sie für das Stattfinden des kulturellen Lebens dieser Stadt mit verantwortlich sind. Sonst herrscht Stille! Das sind nur Beispiele und zeigt das Dilemma, denn es betrifft so unglaublich viele Menschen, die gerade nichts machen können, dass man sich fragt, warum so wenige da waren. Man könnte aber auch sagen, die avisierten 1000 Menschen waren gekommen und das war schon wieder cool. 


Familientreffen


Zumal es eine der wenigen Gelegenheiten war, die KollegInnen mal zu treffen.Sonst haben die immer dicke zu tun und selten da, wo die Anderen sind, was in der Natur der Sache begründet ist. Dabei fiel mir unangenehm auf, dass dieser Hilferuf der FREIEN Kulturarbeiter bei den ANGESTELLTEN Kulturarbeitern nicht ankam, gehört oder durchgestellt wurde. Wenn man sich überlegt, dass diese Demo vor der Semperoper stattfand, die regelrecht schweigend darüber wachte! Vielleicht war das auch nur eine Umsetzung des Mottos und man übernahm den Part der Stille? 


Solidarität


Wäre es nicht ein Gebot der Solidarität der Einen gegenüber den Anderen gewesen, wenn sich die subventionierten Theater symbolisch  beteiligt hätten? Vielleicht brauchen die auch mal Hilfe. Zumal da Viele standen, die oft in den großen Häusern als Gastfirmen fungieren, mit denen man oft zusammen arbeitet, die quasi gute Bekannte sind. Ehrlich? Es jammert den Hund! 


Hilferuf


Ich muss bei allem traurigen Anlass aber auch zugeben, mich über die vielen Leute gefreut zu haben, die ich ewig nicht gesehen habe, weshalb ich ganz schön am Quatschen war. Dabei stellte ich ganz schnell fest, dass diese Demonstranten keine homogene Masse sind oder einen gemeinsamen Gegner haben. Sie haben eigentlich gar keinen Gegner. Nein, sie haben ein gemeinsames Problem - ihre bedrohte Existenz! Und da alle voneinander abhängig sind, gibt es auch keine einfache Lösung für alle, sondern nur Ansätze, die dann umgesetzt werden müssen oder können. Hilft man Einem, profitiert ein Anderer mit. Da geht es nicht nur um Geldforderungen, sondern manchmal auch nur um logistische, bürokratische oder vernünftige Regelungen.


Gleichnis


Auf dem Theaterplatz stand für die Demo übrigens neben mobilen Videowänden auch eine relativ große Bühne. Als ich mich mit einem Kollegen unterhielt, der die mit aufgebaut hatte, meinte der, als es ans Aufräumen ging: Eigentlich könnten wir die auch stehen lassen. Soll die Stadt versuchen, die abzubauen, wenn sie stört.
Das wirkte auf mich, wie ein Gleichnis. 
Die Veranstalter dürfen nämlich wieder veranstalten, nur leider zu Bedingungen, die sie zwingen würden, ruinös zu wirtschaften. Also brauchen sie wirtschaftlich gesehen, gar nicht anzufangen, bzw. dürfen auch gar nicht. 
Mit der Bühne ist es genauso: Man lässt sie stehen und sagt der Stadt, ihr könnt sie natürlich abbauen, wenn sie euch stört. Dann würde man in der Stadtverwaltung ganz schnell feststellen, dass die gar nicht wissen, wie  man sowas unfallfrei abbaut und müssten es als Konsequenz stehen lassen oder es irgendwie versuchen und dabei das Leben ihrer Kollegen riskieren. 
Die Bühnenbauer könnten aber immer daruf verweisen, dass man der Stadt den Abbau gestattet hat.  

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